Und am Ende tanzen wir alle lachend in den Untergang: Mit einem aufwühlenden Coup de grâce aus kunstvollem Kurzfilm und überlangem Song läuten die Schweizer CELLAR DARLING eine neue, furios audiovisuelle Ära ihres Schaffens ein.

Schon vor einigen Wochen veröffentlichten CELLAR DARLING ihr neues Stück „DANCE“ über die mysteriöse Tanzwut von 1518, ein elfminütiges Mammutprojekt, das mehr Ähnlichkeiten mit einer keltischen Prog-Sinfonie denn mit einem herkömmlichen Rock-Song hat. Ebenso mutig und visionär beschreitet das Trio aus Anna Murphy, Merlin Sutter und Ivo Henzi jetzt auch aus bildlicher Sicht neue Wege: Das korrespondierende Video könnte nicht weiter von einem klassischen Clip entfernt sein. Vielmehr entführen CELLAR DARLING in eine albtraumhafte Waldszenerie, irgendwo zwischen TOOL und Shakespeare, zwischen finsterem Märchen und kontaminierter Apokalyptik. Doch das Virus, das sind in diesem Fall wir selbst.

Seht euch das Video hier an: https://youtu.be/A8SukdPDCeQ

Get the single digitally here: http://nblast.de/CellarDarlingDanceDSP

Ein Wald im Zwielicht, voll von Schatten und Chimären. Eine Puppe am Kreuz, wogende Schemen, ein leerer Vogelkäfig. Dann: drei Gestalten, starr und stumm, unfähig, die Augen abzuwenden. Drei Menschen, gefangen in sich selbst, während um sie herum das Leben wütet, Wunden schlägt, blutet, stirbt. Auftritt drei neue Gestalten. Verhüllt und maskiert, als würden sie als Epidemiologen in einer Pandemie arbeiten, drei moderne „Macbeth“-Hexen, drei Nornen, die kurzen Prozess mit den stummen Gestalten machen. Sie binden ihnen die Augen zu, den Mund zu, am Ende liegen sie in Leichensäcken. All das kann endlos interpretiert werden. Es will aber einfach den ewigen Kampf in uns zeigen, Leben, Tod und Wiedergeburt, die Irrwege der Psyche, den schleichenden Tod unserer Erde und unsere stumme Ignoranz im Angesicht der züngelnden Flammen.

„Mein Wunsch war, dass es den Zuschauenden nicht gut geht dabei“, so Anna Murphy. „Ebenso wichtig war, dass es nicht einfach sinnlose Brutalität ist.“ Es gehört schon eine Menge dazu, einen Film wie diesen zu veröffentlichen. Einen dringlichen Film, der klassische Motive ebenso aufgreift wie Zeitgeist verströmt, eine düstere Metapher auf das manchmal ebenso düstere Leben, auf das Ende aller Dinge. „Die Verhinderung des Tanzes steht im Mittelpunkt des Videos“, erklärt Anna und ergänzt: „Im Song greifen wir die Tanzplage von 1518 auf, als sich Menschen auf unerklärte Weise zu Tode tanzten. Das vermischt sich mit Gedanken über unsere moderne Welt und darüber, wie wir mit uns und unserer Umwelt umgehen.“

Die filmische Umsetzung dieses chimärenhaft die Form wandelnden Elfminüters „DANCE“ ist ein zu gleichen Teilen verstörender wie wachrüttelnder Bildersturm, erdacht und visualisiert von Opernregisseur Olivier Tambosi. Das passt in seiner Dramatik zur Musik: Der Song betört mit Serpentinen aus schweren Riffs, überraschenden Tempowechseln und berührenden Pianoklängen, ein endlos geflochtenes Band aus Prog, Folk Rock, Metal und einer desillusionierten Aura, die man sonst eher im Grunge der Neunziger verantwortet.

Weil Musik und Bild auch für sich genommen erlebbar sind, eröffnen sich zwei völlig verschiedene Blickwinkel auf das verzahnte Gesamtkunstwerk. „Beide brauchen sich gegenseitig und wurden als Ideen simultan geboren“, so die Sängerin und Multiinstrumentalistin. „Deswegen gibt es natürlich gewisse Zusammenhänge. Ich hatte ursprünglich Visionen von wilden Tanzorgien. Unser Regisseur spürte aber eher das Gegenteil, wie gesagt die Verhinderung von Tanz. Und wenn man genau hinhört, gibt die Musik das auch vor: Der Song ist nicht wirklich tanzbar.“ Dennoch heißt er so, ein ganz wunderbarer Widerspruch, der sich durch Ton und Bild auflöst.

Es ist nicht wenig, was CELLAR DARLING mit diesem Opus von ihren Hörern und Zuschauern verlangen. Es ist nicht wenig, was die Zuschauer dadurch erhalten. Monatelange Vorarbeit, eine klassische Theaterprobe, drei Drehtage in einer Industriehalle und der legendären Luzerner Konzertlocation Schüür, ein großes Team aus Kamera, Regie Bühnenbild, Ausstattung, Make-Up… das Video ein bizarres, grandios inszeniertes Theaterstück ohne Happy End, der Song eine Momentaufnahme ihrer sprudelnden Kreativität. Beides braucht Zeit, um seine volle Wirkung zu entfalten. Beides verdient diese Zeit.

Wer dachte, CELLAR DARLING schon mit „This Is The Sound“ oder „The Spell“ zu kennen, wird überrascht sein, wie viel mehr in diesem außergewöhnlichen Trio schlummert. Und spätestens jetzt merken, wie viel wir von dieser Band noch erwarten dürfen. „Wir mussten das einfach machen“, betont Anna. „Bei uns funktionieren Überlegung und Planung nicht wirklich gut, wir machen einfach immer das, was uns gerade in den Sinn kommt.“ Dennoch sieht die Band das Opus „DANCE“ als einzigartiges Projekt. „Für uns und vor allem für mich war dieses Projekt sehr wichtig. Aber ich denke, es wird zugleich auch das Ende eines Kapitels sein. Es steckt dann doch ein bisschen zu viel Anna in diesem Song. In der Zukunft von CELLAR DARLING, schürt sie die Vorfreude, „höre ich einen anderen Sound. Und ich freue mich sehr darauf.“

Björn Springorum

„DANCE“ ist auch physisch als streng limitierte, Vinyl-Picture-Disc direkt im Bandstore erhältlich: https://cellardarling.com/store/dance

„DANCE“ wurde von Tommy Vetterli & Anna Murphy im Schweizer New Sound Studio produziert, aufgenommen & gemischt und von Gavin Lurssen gemastert. Das Artwork wurde von Thomas Ott kreiert.Read More

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Von admin

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